
EMDR ist eine hochwirksame Traumatherapie, die auf schnellen Augenbewegungen basiert. Diese schnellen Bewegungen helfen blockierte (traumatische) Erinnerungen neu zu verarbeiten.
EMDR steht für den etwas sperrigen Begriff "Eye Movement Desensitization and Reprocessing", was soviel bedeutet wie Beruhigung (Desensibilisierung) und Neu-Verarbeitung (Reprocessing) durch Augenbewegungen. Es ist ein Mechanismus, der ähnlich funktioniert wie der natürliche REM-Schlaf, in dem wir jede Nacht mit schnellen Augenbewegungen unter hoher Gehirnaktivität emotionale Tageserlebnisse verarbeiten und uns dadurch seelisch erholen.
Wichtig bei EMDR ist zu wissen, dass die Augen ein Teil des Gehirns sind und das Gehirn daher durch die raschen Augenbewegungen die Belastungen von selbst bewältigt. Die Amygdala, das Angstzentrum des Gehirns und der präfrontale Kortex, welcher für das logische Denken und strategische Planung zuständig ist, werden mit den raschen Augenbewegungen der EMDR-Therapie in Balance gebracht, und so wird entscheidend für emotionale Stabilität und Beruhigung des inneren Systems gesorgt.
Wenn nun belastende Erinnerungen oder Traumata die Psyche überfordern, kann es sein, dass dieser Selbstheilungsmechanismus des natürlichen nächtlichen REM-Schlafs nicht ausreicht. Dann können wir mit der EMDR-Methode die raschen Augenbewegungen künstlich nachbilden und dadurch den natürlichen Heilungsprozess des Gehirns nachahmen. Das reguliert die emotionale Intensität von Erinnerungen oder Ereignissen und das Angstzentrum im Gehirn (Amygdala) beruhigt sich und ist nicht mehr "triggerbar".

Ein Trigger ist eine intensive emotionale oder auch körperliche Reaktion auf Erinnerungen an ein vergangenes - oft traumatisches - Ereignis und wirkt überproportional heftig zB in Form von Angst oder Panik. Es handelt sich um eine tiefgreifende seelische Reaktion auf eine schlimme Erinnerung, die oft in keinem Verhältnis zum heutigen Anlass steht. Diese Reaktion ist aber so übermächtig, dass sie der Behandlung bedarf, und die erstaunliche Wirkung oder das "Ergebnis" einer EMDR-Sitzung ist dann, diese emotionalen Trigger zu entschärfen und aufzulösen.
Dabei kann EMDR manchmal schon in einer einzigen Sitzung den gewünschten Erfolg bringen, und manchmal sind mehrere Sitzungen nötig bis die Neuverarbeitung des Traumas oder der Belastung im Gehirn vollständig und zufriedenstellend gelingt.
Oft wirkt die erste Sitzung erst einmal beruhigend und entlastend (Desensibilisierung) durch die Fokussierung der Aufmerksamkeit auf die Augenbewegungen, und es kommen noch keine intensiven Emotionen hoch. Das ist völlig normal und besagt nicht, dass die Therapie nicht wirkt.
Manchmal schützt der Verstand durch innere Blockaden vor den schmerzhaften Erinnerungen, und manchmal verarbeitet das Gehirn diese auch unter der Oberfläche, sodass die emotionale Entlastung erst etwas zeitverzögert einsetzt. Die reine Beruhigung (Desensibilisierung) ist ein wichtiger Schritt in der EMDR Behandlung, denn die raschen Augenbewegungen beruhigen nicht nur das vegetative Nervensystem, sondern auch das Angstzentrum im Gehirn. So verliert das Trauma seinen unmittelbaren Schrecken, die Erinnerungen daran werden flacher und die emotionale Wucht nimmt messbar ab.
In (einer) weiteren Sitzung(en) kann das Gehirn dann die traumatischen Informationen neu verknüpfen, neu verarbeiten und neu abspeichern, und dann ist das Trauma bewältigt. Das Erlebte wird als neutrale Lebenserfahrung in die eigene Lebensgeschichte eingewoben ohne künftig wieder die ursprüngliche Belastung (Trigger) auszulösen.
Manchmal ist es auch möglich, dass Traumata in vorangehenden Therapien schon soweit bearbeitet wurden, dass EMDR vom Gehirn nunmehr nur noch zur Stärkung innerer Ressourcen (wie Sicherheit, Mut oder Selbstvertrauen) benutzt wird. Ihr Gehirn weiß selbst am besten welche Art von Unterstützung für es am Nützlichsten ist, und manchmal ist es vollkommen ausreichend durch die Aktivierung innerer Stärken die eigene Bewältigungskompetenz zu fördern um die Selbstheilung zu aktivieren. Auch dann haben die mit EMDR induzierten raschen Augenbewegungen ihre heilsame Wirkung entfaltet.

EMDR wurde in den 1970er Jahren von Francine Shapiro in der psychotherapeutischen Wissenschaft ausschließlich als Traumatherapie etabliert, ist aber heute für ein breites Anwendungsgebiet geeignet wie
Auch im Wirksamkeitsbereich außergewöhnlicher beruflicher oder privater Leistungen (zB Sport, Kunst, Karriereplanung usw.) findet die Methode ihre Erweiterung und kann auch sehr nützlich sein bei alltäglichen Beschwerden wie der Prokrastination, bei Lebensübergängen wie der Pubertät, Ausbildungs- und Berufswahl, den Krisen um die Lebensmitte oder dem Älterwerden usw.
Aufgrund des an sehr hohen wissenschaftlichen Qualitätskriterien gemessenen zertifizierten EMDR-Curriculums ist die praktische Anwendung seriös und wissenschaftlich fundiert. Und aufgrund der Ungewöhnlichkeit der Anwendung ist EMDR besonders gut erforscht und ihre Wirksamkeit durch hunderte internationale Studien eindeutig belegt.